DIE ZÜRCHER KANTONALBANK (ZKB) ARBEITET NICHT REIN GEWINNORIENTIERT.
WIR STELLEN ANNETT BAUMAST (ZKB) DIE FRAGE: WELCHE ANSÄTZE
VERFOLGT DIE ZKB, UM DIE IDEE DER NACHHALTIGKEIT IN DIE
KONVENTIONELLEN ABLÄUFE ZU INTEGRIEREN? ODER ANDERS GEFRAGT: WIE
WIRD NACHHALTIGKEIT IN DER ZKB VOM NISCHENPRODUKT ZUM MAINSTREAM?

Das Thema Nachhaltigkeit hat im alltäglichen Geschäft der
Zürcher Kantonalbank (ZKB) bereits in vielen Bereichen Einzug
gehalten. So wird seit Jahren im Rahmen der allgemeinen
Kreditrisikoprüfung auch eine ökologische Kreditprüfung
durchgeführt, welche die ökologischen Chancen und Risiken
von Kreditgeschäften beurteilt. Ökologische Chancen bieten
sich z.B. bei nachhaltig geführten Betrieben, die wenig
Ressourcen verbrauchen und geringe Emissionen aufweisen. Ökologische
Risiken hingegen können bestehen, wenn Liegenschaften, die als
Grundpfand für hypothe – karisch gedeckte Darlehen dienen, mit
umweltbelastenden Substanzen verschmutzt sind. Mit ihrem
Umweltmanagementsystem (UMS), das seit Dezember 2002 nach der
internationalen Norm ISO 14001 zertifiziert ist, trägt die ZKB
dazu bei, umweltrelevante Geschäftsprozesse zu planen und zu
steuern. Dabei geht es darum, die Umweltthematik in allen
Geschäftsprozessen zu verankern, die sich auf die Umwelt
auswirken können. Als Beispiele lassen sich das Einsparen von
Ressourcen, z.B. durch Verringerung des Energieverbrauchs oder das
Angebot besonders auf die Umwelt ausgerichteter Produkte anführen.

Da das Thema Umwelt nur eine Seite der Nachhaltigkeitsmedaille ausmacht,
engagiert sich die ZKB auch über das UMS hinaus die
Nachhaltigkeit. Die Grundlage hierfür bildet der sogenannte

Leistungsauftrag. Dieser ist im Gesetz über die Zürcher
Kantonalbank verankert und verpflichtet die ZKB als Bank des Kantons
Zürich dazu, nicht nur die umweltverträgliche Entwicklung
im Kanton zur unterstützen, sondern auch zur Lösung von
volkswirtschaftlichen und sozialen Aufgaben im Kanton beizutragen.
Damit unterscheidet sich die ZKB von anderen Banken, die rein
gewinnorientiert arbeiten. Als Beispiele für das
Nachhaltigkeitsengagement der ZKB lassen sich die
Finanzierungspolitik zum Wohle des Kantons Zürich (Wirtschaft),
das Sponsoring für Sport, Kultur und Gesellschaft (Soziales) und
das Angebot an Umwelt- und Nachhaltigkeitsprodukten (Umwelt) nennen.
Neben anderen Bereichen fliesst das Nachhaltigkeitsengagement in den
alljährlichen Zielprozess der ZKB mit ein.

Die bereits weiter oben angesprochenen, auf Nachhaltigkeit ausgerichteten
Bankprodukte werden derzeit vor allem mit Hinblick auf sogenannte
Nachhaltige Anlagen diskutiert. Hierunter werden vorrangig
nachhaltige Anlagefonds, also Fonds, die in nachhaltige Unternehmen
investieren, aber auch nachhaltige Vermögensverwaltungsmandate
für die private oder institutionelle Kundschaft verstanden. In
den letzten Jahren haben die in nachhaltige Anlagen investierten
Beträge in der Schweiz stetig zugenommen und liegen heute für
nachhaltige Anlagefonds und Vorsorgeprodukte bei 3.5 Mrd. CHF. Zu den
bekannten nachhaltigen Anlagefonds der Schweiz gehört auch der
Swisscanto Green Invest, für den das Umwelt- und Sozialresearch-
Team der Zürcher Kantonalbank die Informationen zu nachhaltigen
Unternehmen erarbeitet. Räumlich integriert mit dem
Finanzresearch, das die ökonomische Bewertung von Aktien und
Obligationen vornimmt, erarbeitet das Umwelt- und Sozialresearch
Bewertungen bzw. Ratings, welche die Nachhaltigkeitsperformance eines
Unternehmens in den Bereichen Umwelt und Soziales widerspiegeln. In
Form von Unternehmensstudien werden diese Informationen sowohl intern
den Kundenbe – ratern und -beraterinnen als auch extern dem
Portfoliomanagement des jeweiligen nachhaltigen Anlagefonds sowie
Kunden und Kundinnen zur Verfügung gestellt. Trotz der
räumlichen Nähe zum Finanzresearch fliessen die
Informationen des Nachhal- tigkeitsresearch bislang lediglich
qualitativ in die Publikationen der Finanzanalyse mit ein. Die
Abbildung nachhaltigkeitsrelevanter Unternehmensinformationen mit
Hilfe der in der Finanzanalyse verwendeten quantitativen Instrumente
fehlt derzeit noch gänzlich.

Es mehren sich jedoch die Stimmen, welche die Berücksichtigung von
Nachhaltigkeitsaspekten in der allgemeinen Finanzanalyse fordern. So
wurde zum Beispiel im Herbst 2004 die Enhanced Analytics Initiative
von fünf grossen institutionellen InvestorInnen, u.a. BNP
Paribas Asset Management, Dresdner Bank Investment Management und
Generation Investment Management (der neue Nachhaltigkeitsfonds von
Al Gore und dem ehemaligen CEO von Goldman Sachs, David Blood),
gegründet. Die fünf Gründungsmitglieder dieser
Initiative, die zusammen über 300 Mrd. Euro verwalten, haben
beschlossen, zukünftig 5% ihrer Kommissionen an Broker basierend
darauf zu verteilen, wie gut diese nicht direkt finanziell messbare
Aspekte in die Finanzanalyse integrieren. Diese Aspekte umfassen
bspw. die Themen Corporate Governance, Umgang mit Mitarbeitenden oder
Umweltmanagement. Eine wichtige Initiative, welche die Nachhaltigkeit
ein Stück näher an den Mainstream der Finanzanalyse und
damit auch an nicht nachhaltigkeits-spezifische Anlagen heranrückt!


Annett Baumast arbeitet als Umwelt- und
Sozialanalystin im Team der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Nach dem
Studium der Wirtschaftswissenschaften
an der Universität Hannover arbeitete sie als Assistentin und
Projektleiterin an das Institut für
Wirtschaft und Ökologie der Universität St. Gallen. Dort
schloss sie 2002 ihre Promotion im Bereich Umweltmanagementsysteme ab
und wechselte als Beraterin in die Wirtschaft. Seit 2004 arbeitet sie
bei der Zürcher Kantonalbank und analysiert
Unternehmen aus den Branchen Informationstechnologien, Medien und
Basismaterialien.