Das teure, liebe Geld – Kolumne von Susanna Fassbind

Nachhaltigkeit mit ihren drei Dimensionen beinhaltet in Ökologie und Ökonomie
zweimal das Wort «oikos», das im Griechischen von Höhle
bis Kosmos alles heissen kann. Wir bezeichnen mit Logos und Nomos das
Haushalten gemäss den Naturgesetzen und vorausschauendes
Hauswirtschaften mit vorhandenen Mitteln. Für die Nachhaltigkeit
müssten beide mit der dritten Dimension, der sozialen, im
Einklang sein. Wohin sind wir mit unserer Wirtschaft und der sie
zusammenhaltenden Energie, dem Geld, gekommen?

Statistiken belegen, dass in den letzten 40 Jahren die reichen Länder immer
reicher und die armen ärmer wurden, je nach Standpunkt trotz
oder wegen «Entwicklungshilfe» im weitesten Sinne. Der
Vorrang von Ökonomie vor den beiden anderen Dimensionen Ökologie
und Soziologie bringt offensichtlich nicht einmal die Ökonomie
ins Lot. Schon im Kleinen, den Gemeinde-, Kantons- und
Staatshaushalten sehen wir das mit erschreckender Deutlichkeit. Klar
ist auch, dass viele mit den Schulden anderer Geld verdienen und
Jahresgewinne ausweisen, die an der Börse mit Jubel und höheren
Ratings belohnt werden. Die Ökonomen belehren uns: Geld entsteht
durch Kredit. Darum läuft nichts ohne Wachstum, was aber in
allseits gesättigten Märkten immer schwieriger zu
realisieren und notgedrungen bald nur noch in weniger entwickelten
Gebieten zu holen ist. Dazu das viel zitierte Wort von Juliette
Greco: «Ich glaube, dass auf die Dauer nichts so teuer ist wie
das Geld.» Warum bringen wir es nicht zustande, wirklich
vorausschauend zu wirtschaften, also Ökonomie im besten Sinne zu
betreiben? Warum generieren wir laufend mehr VerliererInnen? Ist das
Geld vielleicht einfach nicht das richtige Medium, Vehikel oder Mass,
die Ökonomie zu pflegen und den (relativen) Reichtum möglichst
breit zu streuen?

Das Austarieren der drei Dimensionen der Nachhaltigkeit ist da sicher die
Leitplanke, um Auswüchse, negative Begleiterscheinungen und
weitergehende Verarmung der Armen ins Lot zu bringen. Dies sollte uns
nicht hindern, zusätzlich und laut über das Geld als Mass
aller Dinge nachzudenken. Vielleicht wäre ein teilweises
geldloses Wirtschaften sinnvoll und günstiger, da ohne Zinsen:
Mittlerweilen gibt es über 2000 verschiedene
Tauschgeschäft-Formen auf der Welt, die in Krisenländern
und –zeiten im Gegensatz zur dann verlotterten Geldwirtschaft noch
funktionieren: Äpfel gegen Coiffeur, Pflege heute gegen Pflege
morgen, Mittagessen gegen Gesundheitsberatung, usw. Der Phantasie
sind keine Grenzen gesetzt, auch bei uns in der sogenannten reichen
Schweiz machen sich immer mehr Menschen die gegenseitige Vernetzung
zur Hilfestellung und zur Freude am zwischenmenschlichen Kontakt zu
Eigen. Letztlich braucht es – wie bei Geld und Börse auch –
nicht mehr als gegenseitiges Vertrauen.


Susanna Fassbind doziert über
«Marketing für Nachhaltigkeit» an der ETH und
arbeitet als freie Marketingexpertin.

2017-03-21T21:38:37+00:00March 21st, 2017|