globalisierung auf einer seite

DASS GLOBALISIERUNG EIN KOMPLEXES PHÄNOMEN IST, DEM
MAN SICH KAUM ENTZIEHEN KANN, KÖNNEN WIR BEREITS
AN EINFACHEN ALLTAGSHANDLUNGEN FESTSTELLEN. WAS IST
DENN GLOBALISIERUNG ÜBERHAUPT?

Norman Backhaus

Schon der Kauf von Markenturnschuhen bringt uns mit verschiedenen Dimensionen in
Berührung: der kapitalistische Weltmarkt, der den Handel reguliert; die internationale
Arbeitsteilung, bei der Teile der Produktion in Billiglohnländer ausgelagert werden; die
Transporttechnologie mit den damit verbundenen Umweltproblemen sowie kulturelle
Vorstellungen, die mit dem Tragen einer bestimmten Marke verbunden werden. Der
Begriff «Globalisierung» fasst somit ein Bündel unterschiedlicher – auch wider-
sprüchlicher – Prozesse zusammen, das weder auf ein bestimmtes Ziel gerichtet, noch
klar definiert ist. Dieses Bündel lässt sich durch folgende Gegensatzpaare beschreiben:

OPTIMISMUS VERSUS PESSIMISMUS: Die optimistischen Globalisierungsbefürworter
propagieren Wohlstandsmehrung durch Freihandel und globalen Wettbewerb, wäh-
rend ihre Kritiker v.a. Umweltverschmutzung, Kulturverlust und eine grössere Kluft
zwischen Arm und Reich befürchten.

HOMOGENISIERUNG VERSUS FRAGMENTIERUNG: Durch die globale Arbeitsteilung
werden viele Abläufe und Produkte standardisiert, wodurch auch viele Aspekte des
Alltagslebens homogenisiert werden. Zum Beispiel bei der Autoherstellung oder Com-
puter-Software. Doch auch Fragmentierung – als Reaktion darauf – ist ein Teil der
Globalisierung, wie z.B. das Wiederaufleben lokaler Produkte oder spezifischer Tradi-
tionen, aber auch das Aufkommen fundamentalistischer Strömungen.

GLOBAL VERSUS LOKAL: Globalisierung wird oft als etwas Allumfassendes betrachtet.
Dabei wird vergessen, dass sich alle Prozesse auch lokal auswirken, weswegen auch
von «Glokalisierung» gesprochen wird. So wird die «Lokale Agenda 21» als globale
Idee mit einheitlichen Vorgaben lokal unterschiedlich umgesetzt und den örtlichen
sozialen und physischen Gegebenheiten angepasst.

Auf einen Nenner gebracht kann man Globalisierung als beabsichtigtes aber auch
weitgehend unbeabsichtigtes Ergebnis von vielen Handlungen sehen, die Auswirkun-
gen an räumlich entfernten Orten haben. Dies bedeutet, dass wir alle zur Globali-
sierung beitragen. Dabei sind jedoch die Machtressourcen ungleich verteilt, so dass
nicht alle den gleichen Einfluss ausüben können.

PD Dr. Norman Backhaus, Geographisches Institut, Human-
geographie, Universität Zürich, backhaus@geo.unizh.ch

2017-03-22T14:56:19+00:00March 22nd, 2017|